10.09.2007

Die Blocheresche Verseuchung

Hilfe ! In meinem Quartier werden jede Menge SVP Plakate aufgehängt. Nicht dass man diesen Grind in der letzten Zeit auf allen Zeitungen sieht, nein jetzt muss ich den auch noch an jeder Strassenecke anschauen wie er von den Plakatwänden grinst. Manchmal hätte ich gut Lust da die eine oder andere Korrektur anzubringen. Meine Kinderstube allerdings rät mir von solchen Aktionen ab.
Ich lebe im Quartier mit dem höchsten Ausländeranteil von Fribourg. Ich lebe seit über zwanzig Jahren hier und fühle mich sehr wohl. In keinem anderen Quartier hat es so viel SVP Plakate . Das ist richtig zum Kotzen. An fast jeder Ecke werden schwarze Schafe rausgeworfen.
Wie muss man sich da als Nichtschweizer fühlen wenn man schon am Morgen beim aus dem Haus gehen lesen muss wie unerwünscht man ist. Wenn einem an jeder Ecke gesagt wird dass man ein schwarzes Schaf ist und sowiso kriminell ist. Wenn man fühlt dass man nur unerwünschter Dreck ist.
Dazu fällt mir jetzt ein Erlebnis ein dass ich vor ein paar Jahren hatte. Ein Stadtbekannter Mann der als Clown arbeitet sass bei mir im Bus als eine dunkle Frau einstieg. Daraufhin fragte er mich ganz unschuldig, "Wie halten sie dass aus den ganzen Tag diesen Ghüder (Abfall) hin und her zu fahren". Mir blieben die Worte weg. Aber es sind viele Menschen die so denken. Rassimus ist zu einem normalen Gedankengut geworden. Das erschreckt mich und macht mir Angst.


1 Kommentar:

Bätschman hat gesagt…

Das ist ein sehr interessantes Thema, dass du da ansprichst. Die gleiche erschreckende Erkenntnis habe ich bereits vor Jahren machen müssen und muss sie seit dem leider immer wieder machen. Der Rassismus und das rechte Gedankengut sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Eines meiner einschneidenden Erlebnisse war damals ein Schüleraustausch mit Amerika. Bedingt durch die hohen Kosten die damit verbunden waren, konnten sich dies meist nur reichere Familien leisten. Diese waren 20 Jahre lang weiss. Als dann zum ersten Mal eine schwarze Schülerin aus den USA mitreiste merkten man schon die Überlegungen. Anstatt sie wie alle Schülerinnen einfach einer Familie zuzuweisen, fragte man erst bei den "toleranteren" nach, ob sie eine "Schwarze" aufnehmen würden. Eine Familie sagte zu, mit der Begründung, dass das doch kein Thema wäre. Schülerin ist Schülerin. Als dann im Laufe des Aufenthalts Komplikationen auftraten (heute würde man sagen, dass sie einfach Party/Stimmung mit Alkohol und Jungs gemacht hat) und sich die Gasteltern massiv beklagten, kam der Spruch: "ja, Schwarze sind halt so". Da bin ich damals vom Glauben abgefallen. Erst Toleranz heucheln und dann Rassismus maulen.
Aber das ist nur eine persönliche Geschichte. Und leider bin ich von Zeit zu Zeit auch nicht frei von derartigen Gedankenblitzen. Das muss ich leider zugeben. Allerdings lasse ich sie nicht in mein politisches Gedankenkonstrukt mit einfliessen.

Mit freundlichem Gruß
Bätschman.de